Catering Inside - das Fachmagazin für die Branche

fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft e. V. mit sieben Landesvertretungen und die Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft sind gemeinsam die größte Branchenvertretung des Wirtschaftszweigs. Sie haben jüngst den Strukturbericht Veranstaltungswirtschaft I/2026 an die Bundesregierung übergeben. 

Veranstaltungen sind ein entscheidender Standortfaktor, sowohl für die einzelnen Branchen und Betriebe wie auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt. Doch ausgerechnet diese Infrastruktur gerät aktuell unter massiven Druck. Die Auslastung liegt 2026 laut RIFEL-Index um minus 7,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. In einzelnen Monaten sinkt er sogar um minus 13,5 Prozent. Auch der ifo-Geschäftsklimaindex für die Veranstaltungswirtschaft ist alarmierend. Er steht bei minus 19,2 Punkten, was der schwerste Einbruch seit Corona ist. Mike P. Heisel von der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft und Christian Eichenberger von fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft haben den Strukturbericht im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie an die Leiterin der Abteilung Mittelstandspolitik Janina Jänsch übergeben. Zudem überreichten sie ihn mit allen Warnsignalen an Staatssekretär Dr. Steffen Meyer vom Bundesministerium der Finanzen.

Existenzieller Druck auf eine Schlüsselbranche

Deutschland ist Exportweltmeister. Wirtschaftsveranstaltungen sind die Plattform, auf der dieser Titel täglich verteidigt wird. Die Hannover Messe, Leitmessen in Frankfurt, München und Düsseldorf, das Weltwirtschaftsforum in Davos, Expos in Japan, G7-Wirtschaftsgipfel und die Münchner Sicherheitskonferenz sind die bedeutendsten Wirtschafts- und Politikbühnen der Welt. Sie werden von deutschen Mittelstandsunternehmen umgesetzt, die ihrerseits oft internationale Marktführer sind. Hierzulande werden weltweit attraktive Kongressformate verwirklicht, wie das OMR Festival in Hamburg immer Anfang Mai. Das ist Europas größte Plattform für digitales Marketing und Innovation. 

Export entsteht auf Veranstaltungen 

Großanlässe beweisen durchweg, wie leistungsfähig und fortschrittlich die deutsche Veranstaltungswirtschaft ist. Dementsprechend sind 88 Prozent aller deutschen Veranstaltungen wirtschaftliche Leistungsschauen. Auf Kongressen, Produktpräsentationen, Fachtagungen und Wirtschaftsgipfeln schließen deutsche Unternehmen ihre wichtigsten Geschäfte ab. Hier werden Exportmärkte erschlossen. Auf keinem anderen Kanal können sich deutsche Anbieter so schnell vernetzen und Sichtbarkeit erreichen. 

Wirtschaftsmotor mit Systemrelevanz

Die Veranstaltungswirtschaft ist die sechstgrößte Branche Deutschlands mit einem Kernumsatz von 81 Milliarden Euro, mit 151 Milliarden Euro gesamtwirtschaftlichem Einfluss auf das BIP und mit 1,13 Millionen unmittelbar Erwerbstätigen laut RIFEL-Studie von 2020. Eine Studie des Bundesverbands Industrie Kommunikation stellt fest, dass etwa 40 Prozent der B2B-Marketingbudgets in Messen und Business Events fließen. Kein anderer Posten im Marketingmix ist größer. Ein qualifizierter Kontakt ist auf einer Fachveranstaltung um 65 Prozent günstiger zu erreichen als bei einem herkömmlichen Außendienstbesuch. Gemäß dem Verband Deutsches Reisemanagement hat mehr als jede zweite Geschäftsreise eine Veranstaltung zum Ziel. Das bringt jährlich rund 53 Milliarden Euro Umsatz nach Deutschland. Allein die Messewirtschaft erzeugt jedes Jahr 5,4 Milliarden Euro Steuereinnahmen, wie der Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft nachweist.

Verlust eines Innovationstreibers droht

Die Veranstaltungswirtschaft ist zudem eine Pilotbranche der Kreislaufwirtschaft, die sich die Regierung in die Zielliste des Koalitionsvertrags geschrieben hat. Dieses Sharing steht für Miete statt Kauf, für Mehrfachnutzung auf Zeit statt Anschaffung und Wegwurf. Dieses nutzungsbasierte Geschäftsmodell hat die Branche seit Jahrzehnten in der Praxis vervollkommnet, da sie schon immer temporäre Umgebungen schafft. In dieser Form des ressourcenschonenden Wirtschaftens liegen über 200 Milliarden Euro Wertschöpfungspotenzial allein für Deutschland. Diese Summe entspricht zwischen 0,5 und einem Prozent zusätzlichem BIP-Wachstum. Zudem bringt sie 700.000 neue Arbeitsplätze nach Europa, die auch nicht mehr anderswohin verlagert werden können. Weltweit ist prognostiziert, dass die Circular Sharing Economy rasant wachsen wird, von heute 366 Milliarden US-Dollar Umsatz auf 1,4 Billionen US-Dollar bis 2030. Der Sektor steht damit vor einem Zuwachs von 24,8 Prozent jährlich. Dieses Potenzial darf nun nicht durch politische Fehlentwicklungen unerschlossen bleiben.

Jetzt erst recht: Absagen sind die falsche Antwort 

In wirtschaftlichen Schwächephasen liegt der Reflex nahe, Veranstaltungsbudgets zu streichen, Kongresse und Messen zu verschieben. „In turbulenten Zeiten beherrscht Unsicherheit den Markt. Gerade jetzt sind Veranstaltungen indes kein verzichtbarer Luxus. Sondern sie sind der zuverlässigste Weg, Vertrauen aufzubauen, Kundenbeziehungen zu festigen und sichtbar zu bleiben. Wer jetzt sein Schaufenster schließt, überlässt das Feld dem Wettbewerb“ betont Christian Eichenberger, Vorstand von fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft. Daten zeigen, dass Veranstaltungsstornierungen kontraproduktiv und teurer wären. Wo derzeit Unsicherheit Kaufentscheidungen verzögert, sind Business Events der effizienteste Hebel für stabile Kundenbeziehungen und Wachstum aus der Krise. Weltweit bauen 85 Prozent der Führungskräfte ihre stärksten Geschäftsbeziehungen durch persönlichen Kontakt auf, statt über digitale Kanäle, weil menschliche Bindung im Raum entsteht. Auf einer Messe haben 67 Prozent der Besucher erstmals Kontakt mit einem Unternehmen und kaufen danach mit 72 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit dort als Interessenten, die die Marke nur digital kennen. Betriebe, die Live-Formate mit digitalen Kommunikationsmaßnahmen kombinieren, wachsen etwa 50 Prozent schneller als Wettbewerber, die nur online in Erscheinung treten. 

Haptik schlägt Homepage

Das Anfassen von Warenneuheiten schlägt den ausgefeiltesten Algorithmus. Über 70 Prozent der Menschen erkennen ein Produkt noch eine Woche nach dem ersten haptischen Kontakt genau wieder. Wer mit solchen Mitteln seine Kundenbindungsrate um nur 5 Prozent steigert, erhöht seine Profitabilität um etwa 75 Prozent. Veranstaltungen sind der direkteste Weg dorthin. Sie ermöglichen in wenigen Tagen, wofür sonst Monate Vertriebsarbeit nötig wären. Von Mensch zu Mensch gibt es relevante Gespräche, belastbare Verbindungen und sodann eine messbare Kaufabsicht. Herausfordernde Zeiten werden daher zum Wettbewerbsvorteil für alle, die jetzt bewusst in Begegnung und Vernetzung investieren.

Strukturbericht: Weckruf für den Bundeswirtschaftsminister

Die zwei Organisationen fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft und die Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft haben den Strukturbericht Veranstaltungswirtschaft I/2026 erstellt. Das umfassende Dokument bündelt als erstes die aktuellen strukturellen Hemmnisse der Branche und liefert der Bundesregierung eine fundierte Entscheidungsgrundlage. Darin offengelegt ist eine alarmierende Realität. Die Kosten steigen für den Sektor bei Löhnen um 26,3 Prozent, für die Energie um 80 Prozent – und zwar noch vor dem Irankrieg, bei der Logistik durch die Maut um 60 Prozent und für das Kapital, da sich die Finanzierungskosten verdreifacht haben. Hinzu kommen strukturelle Steuer- und Arbeitszeitnachteile. Sie bescheren deutschen Anbietern im europäischen Vergleich einen Kostennachteil von 30 bis 40 Prozent. Folglich wandern etliche Veranstaltungen nach Spanien, Portugal, Frankreich und ins übrige europäische Ausland, von wo sie nicht zurückkehren werden. 

Falsche Hilfen der Politik

Politische Hilfsansätze wie die Superabschreibung greifen dabei ins Leere. Denn dieses Instrument zielt auf schweres Anlagevermögen, nicht aber auf personalintensive Dienstleistungen wie im Veranstaltungswesen. Nach Ergebniseinbrüchen von minus 50 bis 70 Prozent würden solche künstlichen Verlustschreibungen das Banken-Rating geschwächter Mittelständler weiter gefährden. Die Branche braucht keine Symbolpolitik. Sie braucht strukturelle Kostenentlastung. Dafür haben die Verbandsvertreter nun mit dem Strukturbericht acht handfeste Forderungen übergeben.

Acht Forderungen der Veranstaltungswirtschaft

1. Unternehmenssteuern sofort senken auf 25 Prozent. In Deutschland werden die Betriebe mit knapp 30 Prozent belastet. In Österreich sind es 23 Prozent, in Spanien und Frankreich 25 Prozent, in den Niederlanden 25,8 Prozent. Parallel muss die Gewerbesteuerhinzurechnung auf Mietaufwände abgeschafft werden, denn sie erzeugt einen kalkulatorischen Preisnachteil von 15 Prozent gegenüber EU-Anbietern.

2. Arbeitszeitflexibilisierung statt Tageskorsett sowie Abbau des strukturellen Lohnkostennachteils. Ein starres tägliches Arbeitszeitkorsett wie in Deutschland ist im europäischen Vergleich die Ausnahme. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie (2003/88/EG) begrenzt die Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden ohne eine tägliche Deckelung. Die meisten EU-Mitgliedstaaten setzen das flexibel um. Deutschland ist der Ausreißer und begrenzt die Tagesarbeitszeit, was nicht zum Veranstaltungswesen passt. Dazu kommt ein großer struktureller Lohnkostennachteil. Deutsche Veranstaltungsbetriebe zahlen pro Arbeitsstunde durchschnittlich 43,40 Euro, spanische Wettbewerber nur 25,50 Euro, italienische nur 30,90 Euro und portugiesische gerade einmal 18,20 Euro, also weniger als die Hälfte (Eurostat/Destatis, 2024). Starre Arbeitszeiten und überbordende Lohnnebenkosten zusammen sind ein systemischer Doppelnachteil, der sich in jeder Kalkulation niederschlägt. Beides führt dazu, dass Veranstaltungen nach Lissabon, Barcelona und Mailand abwandern. Deutschland braucht dringend die Flexibilisierung der Wochenhöchstarbeitszeit und einen vergleichbaren Abbau der Lohnnebenkosten.

3. Mautbefreiung für kleine LKW analog zur Handwerkerregelung. Messebauer, Veranstaltungstechniker und Beleuchter sind handwerkliche Dienstleister und müssen rechtlich so behandelt werden. Dies gilt umso mehr angesichts gestiegener Kraftstoffkosten.

4. Bürokratieabbau und Rahmengenehmigungen statt Einzelfallanträge. Jede Sonntagsschicht und jede Feiertagsfahrt müssen einzeln beantragt und dokumentiert werden. Zielführend ist, die Verantwortung zurückzugeben an die Unternehmen. Branchenzertifizierungen und Rahmengenehmigungen sind wirksamer als hoher Verwaltungsaufwand ohne Sicherheitsgewinn.

5. Visa-Erleichterungen und internationale Willkommenskultur. Deutschland muss als sichere, unkomplizierte Veranstaltungsdestination global sichtbar sein. Von den Messestädten muss eine Willkommenskultur gelebt werden, wie in Lissabon und Barcelona. Die Bürokratie bei der Vergabe von Geschäfts-Visas für Messebesucher muss runter. Solche Schritte wäre konkrete Standortpolitik.

6. Bewirtungsfreibetrag anheben von 110 Euro auf mindestens 180 Euro zwei Mal jährlich. Dieser Wert ist seit sage und schreibe2001 eingefroren. Eine Inflationsbereinigung ist laut Bundesrechnungshofs längst überfällig. Die Folge dieser Stagnation ist, dass Mitarbeiterevents ins Ausland abwandern.

7. Strukturreform der Sozialkosten. Das personalintensive Eventgeschäft hat einen Kostennachteil von über 40 Prozent. Ohne eine Lohnkostenreform als Teil einer umfassenden Arbeitsmarktreform verliert Deutschland auch auf dem europäischen Veranstaltungsmarkt weiter an Boden. 

8. Die Superabschreibung hilft dem Dienstleistungssektor nicht. Denn personalintensive Branchen haben kein schweres Anlagevermögen. Wer die wenigen verbliebenen Gewinne noch künstlich ins Minus schreibt, ruiniert sein Banken-Rating. Der Wirtschaftszweig braucht Kostenentlastung, keine Abschreibungssymbolik.

Regierung muss rasch korrigieren

„Schuldenlast, explodierende Kosten und strukturelle Nachteile gefährden unsere Weltmarktposition. Die tagesaktuelle Energiekrise ist dabei noch nicht eingepreist. Ohne schnelle Korrekturen bei Steuern, Arbeitszeit und Bürokratie droht die deutsche Wirtschaft, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu verlieren. Unser Strukturbericht ist ein Weckruf“, macht Mike P. Heisel deutlich, Vertreter der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft.

Bildmaterial

(v.l.n.r.) Mike P. Heisel vom Rat der Vertreter:innen der Bundeskonferenz Veranstaltungswirtschaft und Christian Eichenberger, Vorstandsmitglied der fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft, haben den Strukturbericht Veranstaltungswirtschaft I/2026 u.a. im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie übergeben. 

Foto: fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft

Veranstaltungswirtschaft in Zahlen

Der sechstgrößte Wirtschaftszweig Deutschlands ist Leitbranche des Mittelstands.

81 Mrd. €

Kernumsatz direkt

151 Mrd. €

BIP-Wirkung gesamt

1,13 Mio.

Erwerbstätige direkt

243.000

Unternehmen 

5,4 Mrd. €

Steuereinnahmen/Jahr

88 %

Wirtschaftsveranstaltungen

53 Mrd. €

Geschäftsreiseumsatz/Jahr

sechstgrößter

Wirtschaftszweig 

Quelle: R.I.F.E.L.-Metastudie 2020, Statistisches Bundesamt, AUMA

Stand: Ende April 2026

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7. Januar 2016
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