Reportage Tafel

Es bleibt immer was übrig

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Unterdessen sind Timo Schmitt und Demeter Georgiev mit ihrem Transporter am Berliner Congress Centrum angekommen, wo sie am Hintereingang schon René Gitter erwartet. Er ist beim Catering im BCC für Service und Küche verantwortlich. In der Küche putzen seine Mitarbeiter gerade die Kochflächen. „Was wir zuviel an Essen produzieren, geben wir an die Tafel ab“, sagt er. „Wenn wir jemandem damit helfen können und Bedürftige damit unterstützen, reichen wir Übriggebliebendes gerne weiter.“ Seit zwei Jahren gehört das BCC-Catering nun schon zu den treuen Partnern der Berliner Tafel. Bisher kooperieren lediglich drei weitere Caterer in der Stadt mit dem Verein. Die Zusammenarbeit funktioniert gut: Teilweise können die Tafeltransporter sogar täglich beim BCC vorbeikommen, wo Kongresse und Tagungen für bis zu 3.000 Teilnehmer mit Catering versorgt sein wollen. „Wir planen sehr betriebswirtschaftlich, doch in der Regel bleibt immer etwas übrig“, sagt G itter. Mal sind das kiloweise Spaghetti, Eimer voller Suppen oder Chili con Carne, Kuchen oder Joghurt. Einmal blieben 200 Liter selbst gepresster Apfelsaft übrig sowie Gulaschsuppe beziehungsweise ein Pilzgericht. „Wir schicken der Tafel immer eine Liste, wann eine Veranstaltung läuft, damit sie sich rechtzeitig darauf einstellen kann“, sagt Gitter. Auf eigenen Lieferscheinen für Tafel-Fahrer wie für die Sponsoren wird dabei dann genau festgehalten und dokumentiert, was wo abgeholt wurde. Das sichert die Rückverfolgbarkeit auch rechtlich ab. Dann hievt Demeter Georgiev die Ware des heutigen Tages sauber in Kisten und Eimer verpackt und gut befestigt in den Laderaum – und die wird sofort weiterverteilt: Mit Schwung schiebt Timo Schmitt die Seitentür des Transporters nach dem Einladen zu und die Fahrt geht weiter zur vorletzten Station an diesem Tag. Das Ziel ist jetzt die Notübernachtung der Berliner Stadtmission in der Lehrter Straße. Bis zu zweihundert Schlafplätze bietet das Heim Wohnungslo sen, gerade auch in der kalten Jahreszeit. Und etwas Warmes zu essen. Dafür sorgt Koch Klaus-Dieter Hoppe, der gerade mit einem überdimensionierten Löffel in einem großen Topf Eintopf anrührt. „Ich muss mit dem, was wir gerade als Spende erhalten, immer etwas zaubern“, lacht er und hilft Georgiev und Schmitt beim Ausladen der heutigen Fracht. Drei Notunterkünfte in Berlin bekochen er und sein Team, sechshundert Portionen Eintopf kommen da schnell zusammen. Niemand in Berlin soll hungern – und auch in der Hauptstadt wächst die Armut, bei älteren Mitbürgern wie auch bei denen, die wegen steigender Mieten weniger Geld für Lebensmittel übrig haben. Da ist die Hilfe der Tafel immer willkommen. Für Schmitt und Georgiev geht ihr Einsatz an diesem Tag nun dem Ende entgegen.