Top-Ausbilder 2015

Die Nominierten

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Deutschlandreise: VKD-Präsident Andreas Becker besuchte alle neun Nominierten für den Top-Ausbilder 2015.

Herr Becker, wie ist Ihr Gesamteindruck nach der Reise zu den neun nominierten Betrieben?

Wir haben sehr intensive Gespräch mit den Nominierten geführt, um uns einen Gesamteindruck zu verschaffen: Wie engagiert ist der Ausbilder im Rahmen der Möglichkeiten, die ihm in seinem Betrieb zu Verfügung stehen? Welchen Eindruck gewinnt man von ihm als Persönlichkeit? Geht es darum, den jungen Menschen etwas für ihr Leben und den Beruf mitzugeben, oder geht es um etwas anderes?

Wie haben sich die nominierten Kollegen präsentiert?

Der Ansatz der Kandidaten war sehr unterschiedlich. Manche haben sich fast überschlagen darin, uns im Detail zu zeigen, was sie alles machen oder wie systematisch sie die Ausbildung in ihrem Betrieb strukturieren.

Was war Ihnen bei den Besuchen besonders wichtig?

Wir haben darauf geschaut, wie es im Betrieb zugeht, wie miteinander umgegangen wird. Auch in einem großen Hotelbetrieb kann der Umgang herzlich sein – oder eben nicht Das Menschliche spielt für mich eine große Rolle. Häufig sehe ich in den Gesichtern, ob ein gutes Arbeitsklima herrscht.

Gibt es für Sie entscheidende formale Kriterien?

Das Einhalten von Arbeitszeitregelungen ist sicherlich ein Punkt, und ob die Auszubildenden nach der Berufsschule zur Arbeit kommen müssen. Selbstverständlich sollte es sein, dass die Arbeitskleidung gestellt wird. Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Wichtig ist das Thema der Verhältnismäßigkeit. In welchem Verhältnis Ausgelernte und Auszubildende in einem Betrieb zusammenarbeiten sollten, kann man nicht formal festlegen. In manchen Betrieben sind die Auszubildenden auch mit wenigen Ausgelernten in guten Händen. Aber es gibt Umstände, da kann man nicht mehr davon ausgehen, dass das noch funktioniert.

Die Menge an Arbeit spielt eine Rolle. Manchmal ist schlicht das Volumen, das in einem Betrieb abgearbeitet werden muss, ein Anzeichen dafür, dass die Auszubildenden als volle Arbeitskräfte eingesetzt werden. Das widerspricht eigentlich meiner Vorstellung von Top-Ausbildung.

Haben sich bei Ihren Besuchen die Erwartungen an die Nominierten erfüllt?

Manche Dinge kann man auf dem Papier nicht sehen, das war in diesem Jahr sehr deutlich. Auch, ob die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs glaubwürdig ist, war für uns ein Thema: Erscheint das, was an Angebot, Arbeitskraft und Arbeitsvolumen vorgestellt wird, realistisch? Ist glaubwürdig und nachvollziehbar, was uns erzählt wird? Manchmal ist es besser, an einem heiklen Punkt eine realistische Antwort zu geben statt einer vermeintlich erwünschten. Wir in der Jury sind lange genug in der Branche tätig, um zu wissen, dass auch Auszubildende mal länger arbeiten. Da muss man sich auch nicht in die Tasche lügen.

Ist Ihnen die Entscheidung, am Ende drei Gewinner zu küren, schwer gefallen?

Die Bewertung der Kandidaten war eigentlich schnell klar. Die Jury war so zusammengesetzt, dass wir ein einheitliches Bild bekommen haben, das hat am Ende die Entscheidung erleichtert. Wir hätten natürlich gern noch einen vierten Preis vergeben, haben uns aber von Anfang an auf drei festgelegt, das haben wir so kommuniziert und dann auch so entschieden. Ich denke, dass es dem Preis insgesamt gut tut, ihn nicht in beliebiger Zahl zu vergeben.