Spirituosen

Mehr als Prozente

Beim Trend-Produkt Gin kommen immer häufiger Kräuter und Gewürze zum Einsatz. Außerdem sorgen japanische Jahrgangs-Whiskys für Furore – und für Abwechslung bei den Spirituosen im Event-Catering.

Beim Organisieren von Events und Veranstaltungen macht dem Partyservice K.L. Gentscher so schnell niemand etwas vor. Seit 1992 ist das Unternehmen mit Sitz in Altötting am Markt vertreten und hat sich seitdem zu einem der größten Caterer im südostbayerischen Raum entwickelt. Unter den Events sind nicht selten „Hochkaräter“ wie Fürstenhochzeiten am Starnberger See oder Empfänge der Freistaat-Regierung in der Landeshauptstadt.

Wenn es besonders kommunikativ zugehen soll, empfehlen Geschäftsführer Alexander Kostandinov und sein Team gerne einen Barbereich: „So wird eine lebendige Plattform geschaffen, weil gute Geschichten am besten bei einem Drink erzählt werden.“

Viele Zutaten im Einsatz

Heutzutage ist es oft ein Gin, der die Zunge lockert. Zwar spiegelt sich die Wertschätzung für diese Spirituose in den offiziellen Statistiken (noch) nicht wieder. Schließlich liegt der Anteil an der Gesamtmarktproduktion unter 2 Prozent. Aber Praktiker berichten übereinstimmend von einer steigenden Anziehungskraft. „Gin ist in“, heißt es dann. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel schrieb in diesem Zusammenhang sogar von den „Ginfizierten“.

Einer der Trends beim Gin ist das so genannte Foraging: Bei der Herstellung werden dabei wilde Kräuter und Gewürze aus dem direkten Umfeld bevorzugt. Eines der Vorzeige-Produkte ist The Botanist Island Dry Gin. Gewonnen wird er aus 22 von Hand gesammelten, regionalen Zutaten wie beispielsweise Holunder und wildem Thymian, Moorbirke und natürlich Wacholder.

Der umgekehrte Weg wird allerdings ebenfalls erfolgreich beschritten, nämlich das Verwenden von Zutaten aus aller Welt. Ein Beispiel dafür ist Seagram´s Extra Dry Gin. Der vereint zum Beispiel deutschen Engelwurz und spanische Orangenschalen, italienische Wacholderbeeren und Zimt aus Sri Lanka, tschechischen Koriander und Zerschlagrinde aus Vietnam.

Ebenfalls auffällig beim Gin: Immer häufiger werden alte Rezepte aus der Versenkung geholt und bekommen von Unternehmen ein neues Leben geschenkt.

Die Vielfalt beim Gin ist also beeindruckend und die Liste möglicher Rezepte lang – zur Freude privater und professioneller Gastgeber.

Führungsrolle in Europa

Dass Gin angesagt ist, zeigte sich auch auf der Spirituosenmesse 0711 Spirits, die zu Jahresbeginn in Stuttgart stattfand: Die meisten der 80 Aussteller kamen aus dem Bereich Gin.

Diese kleine, aber feine Messe in der baden-württembergischen Landeshauptstadt demonstrierte zugleich, dass Whiskeys nach wie vor für Überraschungen gut sind. Auf der 0711 Spirits hatte der Japan Whisky einen fulminanten Auftritt. Zu verdanken hatte er das der „Jim Murray´s Whisky Bible“, die 2014 den Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013 zum weltbesten seiner Art gekürt hatte. Ihm wurden 97,5 von 100 möglichen Punkten zugebilligt.

In der Folge sind die meisten japanischen Jahrgangs-Whiskys vergriffen. Sie erfahren eine Wertsteigerung um das Zwei- oder Dreifache, werden sogar als mögliche Wertanlage in schwierig-unsicheren Zeiten genutzt.

Die deutsche Spirituosenproduktion wird von den Bitterlikören, Halbbitterlikören und Kräuterlikören beherrscht; deren Anteil beträgt ungefähr 27 Prozent. Wodka bekommt mit knapp 17 Prozent die Silbermedaille. Für sonstige Liköre reicht es mit um die 15 Prozent für die Bronzemedaille. Es folgen Korn (9,5 Prozent), Weinbrand (7,9 Prozent), Obstbranntwein (5,8 Prozent) und Rum (5,5 Prozent).

Bemerkenswert deutlich gewachsen sind unter anderem die Kategorien Tequila (plus 6,9 Prozent) und Kaffeelikör (plus 21,4 Prozent).

Nach den neuesten Zahlen des Ifo-Institutes, der Wirtschaftsforschung, die monatlich den Geschäftsklimaindex ermittelt, liegt der Spirituosen-Pro-Kopf-Verbrauch in der Bundesrepublik bei 5,4 Litern. Rund 675 Millionen 0,7-Liter-Flaschen reichen trotz leichten Rückgangs noch immer für eine Führungsrolle in Europa.