Verschwendung

Lebensmittel wertschätzen

Jedes Jahr landen in Deutschland 11 Mio. Tonnnen noch verwertbare Lebensmittel auf dem Müll. Knapp 20 Prozent davon kommen aus dem Foodservice-Bereich. Auch Caterer schmeißen weg. Immer öfter suchen sie jedoch nach Wegen, Müll von vornherein zu vermeiden. Doch bei allen Bemühungen bleibt oft dennoch was übrig. Dann gibt es Mittel und Wege, die brauchbaren Lebensmittel zu spenden – zum Beispiel an die örtliche Tafel. Die Kriterien sind streng, aber es funktioniert, wie Caterer in Berlin vormachen.

Die Menge der weltweit verschwendeten und weggeworfenen Lebensmittel ist gigantisch: So schätzt allein die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dass jedes Jahr etwa ein Drittel der produzierten Lebensmittel auf dem Müll landen. Auch in Deutschland ist diese Menge noch zu hoch. So geht das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft davon aus, dass hier zu Lande jährlich etwa 11 Mio. Tonnen Essbares ungenutzt in die Abfalltonnen wandern. Das entspricht etwa 2.750.000 voll beladenen Lastwagen – oder anders ausgedrückt: Jeder in Deutschland lebende Mensch wirft jedes achte gekaufte Lebensmittel weg – etwa 82 Kilogramm vergeudete Nahrungsmittel kommen so im Schnitt pro Kopf zusammen. Auch wenn die meisten dieser Abfälle in Privathaushalten entstehen – die Foodservice-Branche trägt zur Gesamtabfallmenge etwa 17 Prozent bei, was immerhin knapp 2 Mio. Tonnen entspricht. Mehrere Initiativen haben sich daher zum Ziel gesetzt, diesen Missstand zu bekämpfen und Lösungen zu erarbeiten, wie sich die Menge der vernichteten Waren verringern lässt. So erarbeitet beispielsweise die a’verdis GbR für nachhaltige Verpflegungslösungen zusammen mit dem Öko-Institut aktuell im Auftrag des Umweltbundesamtes einen eigenen Leitfaden zum Vermeiden von Lebensmittelabfällen speziell im Catering-Bereich. Die Ergebnisse will a’verdis noch in diesem Jahr vorstellen. Ende November 2015 traf sich hierzu eine Expertenrunde in Berlin, um sich zu diesem Thema mit Akteuren der Branche auszutauschen. Das Projekt zielt darauf ab, bestehende Potenziale zum Vermeiden von Lebensmittelabfällen aufzuzeigen, die bei Catering-Dienstleistungen anfallen. Der Leitfaden soll sehr praxisorientiert aufgebaut sein und für verschiedene Veranstaltungstypen – wie beispielsweise Konferenzen, Festivals oder Empfänge – Möglichkeiten anschaulich darstellen. Die im Einzelnen ausgearbeiteten Aspekte zeigen konkrete Ansatzpunkte zum effektiven Verringern von Abfällen und werden durch Tipps und Best Practice Beispiele ergänzt. So nimmt der Leitfaden die einzelnen Phasen und typischen Abläufe beim Catering unter die Lupe: Der Ratgeber beginnt beim Planen, geht mit dem Einkauf und der Lagerung von Lebensmitteln weiter, behandelt das Vor- und Zubereiten der Speisen sowie den Prozess des Auslieferns, Bereitstellens und der Ausgabe der Speisen bis zum Verzehr, der Rückgabe und dem Abbau. Bei jedem der einzelnen Schritte stellt der Leitfaden die Stellschrauben vor, mit denen sich Abfälle verringern lassen, beziehungsweise zeigt er die Schnittstellen auf, wo diese meistens entstehen. Praxistipps sollen dabei zeigen, wie sich die Abläufe hier verbessern lassen. Die Hinweise sollen möglichst viele Akteure ansprechen und sich nicht nur an die Caterer, sondern auch an deren Kunden, das Küchenteam, Servicepersonal oder Betriebsleiter wenden. Checklisten und Factsheets sollen dabei einen schnellen Überblick über die einzelnen Aspekte geben.

Bereits jetzt zu haben ist eine Checkliste zum Vermeiden von Lebensmittelabfällen, die der Bundesverband Dehoga zusammen mit der Initiative „United Against Waste“ von Unilever Food Solutions herausgegeben hat. Auf zwei Seiten übersichtlich in zehn einzelne Abschnitte gegliedert, lassen sich auf der Checkliste Fragen nach einem Punktesystem ankreuzen. Die Gesamtzahl der erreichten Punkte zeigt den Betrieben dann in Form einer kurzen Auswertung an, wo sie auf dem Gebiet der Nahrungsmittel-Verschwendung gerade stehen: Macht das Unternehmen bereits fast alles richtig, ist es auf einem guten Weg, sich zu verbessern – oder besteht ein Potenzial, sich hier noch zu verbessern? Je nach Bedarf bietet die Initiative weiterführende Broschüren, Analyse-Tools und Plakate zur Motivation an.