Fleisch

Weniger ist mehr

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Die große Masse der Catering-Kunden und der deutschen Verbraucher schätzt und isst Fleisch – allen Unkenrufen zum Trotz. Aber: Der Markt hat sich differenziert. Vor allem bei jungen Gästen ist fleischlose Kost hip.

Darf man dem Vegetarierbund Deutschland (VEBU) tatsächlich glauben? Der behauptet, dass in der Bundesrepublik bereits rund 7,8 Mio. Vegetarier leben. Das wären acht bis neun Prozent der Gesamtbevölkerung.

Selbst wenn diese Zahl stimmen sollte bedeutet sie im Umkehrschluss: Mehr als 90 Prozent der Bundesbürger wollen nicht ohne Würstchen, Schnitzel, Frikadellen und Co. auskommen.

Allerdings stellt sich ernsthaft die Frage, ob die Zahl von 7,8 Mio. Vegetariern überhaupt Hand und Fuß hat.

Diese Fragezeichen wurden im Sommer 2013 durch eine Untersuchung der Universitäten Göttingen und Hohenheim vergrößert. Denn die Wissenschaftler fanden eine „Vegetarier-Quote“ in der deutschen Bevölkerung von lediglich rund 3,7 Prozent heraus. Ebenfalls 2013 veröffentlichte das fleischkritische „Greenpeace-Magazin“ die Ergebnisse seiner Befragung zum Thema „Vegetarismus“. Bescheidene drei Prozent konsequenter Vegetarier wurden festgestellt.

Weniger Vegetarier als vermutet

Ein Jahr später ermittelte das Max-Rubner-Institut Karlsruhe, seines Zeichens das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, einen Vegetarier-Anteil in der Bevölkerung von übersichtlichen zwei Prozent.

Drei Prozent Vegetarier waren es laut „Fleischatlas 2014“ des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Heinrich-Böll-Stiftung und der Zeitung „Le Monde Diplomatique“.

Jüngstes Mosaiksteinchen, das die VEBU-Kernaussage anzweifeln lässt: Im September 2015 wurden die Ergebnisse einer Umfrage zum Ernährungsverhalten bekannt, die der Direktversicherer Hannoversche in Auftrag gegeben hatte.

Zwar kam dabei heraus, dass mehr als ein Drittel aller Deutschen, die regelmäßig Fleisch essen, zumindest hin und wieder ein schlechtes Gewissen verspüren. Trotzdem wurden bei dieser Umfrage lediglich drei Prozent als Vegetarier eingestuft.

Die Abweichungen zu den VEBU-Zahlen lassen sich auch damit erklären, dass sich Personen gegenüber dem Vegetarierbund selbst als Vegetarier einordnen durften. Demgegenüber wurden bei den wissenschaftlichen Untersuchungen aufwändige Befragungen von geschulten Interviewern vorgenommen.

Und was ist mit den Veganern, die komplett auf tierische Produkte verzichten und sich nur noch rein pflanzlich ernähren? Der Vegetarierbund Deutschland sprach Anfang 2015 von rund 900.000 Veganern in Deutschland, und das angeblich mit deutlich steigender Tendenz.

Für Professor Dr. Hans Hauner steht fest: „Bei Veganismus handelt es sich um eine Modeerscheinung, die auch stark von wirtschaftlichen Interessen befeuert wird. Die Zahlen erscheinen mir sehr übertrieben und basieren auf keiner seriösen Untersuchung.“ Professor Hauner muss es eigentlich wissen, wirkt als Ordinarius für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München. Seit 2003 leitet er das Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin, ist außerdem Sprecher des vom Bundesforschungsministerium geförderten Kompetenznetzwerkes Adipositas und Mitglied der Verbraucherkommission der bayerischen Staatsregierung.

Der Wissenschaftler hält vegane Kost für „recht einseitig“; für bestimmte Personengruppen wie zum Beispiel Schwangere und Kleinkinder sei sie „nicht ungefährlich“. Schließlich seien Nährstoffe wie etwa Vitamin B12 oder Jod in veganer Kost nicht oder zu wenig enthalten. Professor Dr. Hans Hauner kommt zu dem Ergebnis: „Inwieweit streng vegane Kost Gesundheit fördert, ist wenig untersucht. Hier wird einfach das Blaue vom Himmel versprochen.“