Caterer

Rezepte für Flüchtlinge

Wer als Caterer Flüchtlinge versorgt, muss die Ernährungs-Kultur der Menschen beachten. Das Studentenwerk Münster verfügt jetzt über eine speziell auf Geflüchtete abgestimmte Rezept-Sammlung, erstellt von Studentinnen der Fachhochschule.

Kann man Flüchtlingen die Zeit in einem Land erleichtern, in dem alles fremd ist? Drei Oecotrophologie-Studentinnen der Hochschule Münster haben eine Antwort auf diese Frage: Es ist möglich, wenn man ihnen ein Stück Heimat bietet. Und da sie in den Flüchtlingsheimen versorgt werden müssen, bieten sich ihre heimischen Speisen an. Julia Wienert, Fidan Kalach und Nadya Aweimer arbeiteten deshalb mehrere Monate an einer Rezeptsammlung für Catering-Unternehmen, die Flüchtlingsunterkünfte beliefern. Die Gerichte, die sie in die Sammlung aufgenommen haben, stammen allesamt aus dem arabischen Raum. „Das Essen in den Unterkünften ist oft ungewohnt für die Menschen“, sagt Fidan Kalach. „Das bedeutet nicht, dass es schlecht ist“, betont sie. Es sei gutes Essen, bei dem auch auf die Speisevorschriften für Muslime geachtet werde. „Die Leute essen es auch. Aber ihnen fehlt der Geschmack aus der Heimat.“ Das bestätigt eine Umfrage, die die drei Studentinne n in Münsters Flüchtlingsunterkünften gemacht haben. „Wir haben 80 Familien gefragt: Was würdet Ihr gern essen, und was vermisst Ihr am meisten?“, erklärt Julia Wienert. Auf der Grundlage dieser Umfrage suchten sie die Rezepte. Ein Bulgur-Salat zum Beispiel, gefüllte Paprika oder Sesambrot, gefüllt mit Feta-Käse.

13 Rezepte stehen zur Verfügung

„Fidan und ich kennen viele dieser Gerichte von zuhause“, sagt Nadya Aweimer. Sie stammt aus Palästina, Fidan Kalach ist Kurdin mit Wurzeln in Syrien. Das Problem: Gekocht wird daheim meist aus dem Gedächtnis – Mengenangaben gibt es keine. Also kochen sie die Gerichte in der Laborküche des Fachbereichs Oecotrophologie/Facility in der Fachhochschule Münster nach. 13 Rezepte sind so zusammen gekommen.

Und zwar so, wie es Profi-Köche machen, wenn sie Rezeptbücher veröffentlichen: Sie probieren aus, notieren die Mengenangaben und machen Fotos von den entstandenen Speisen. Damit aber nicht genug, notiert werden auch Zusatzinformationen: Was kostet ein Gericht? Wo kann man Zutaten beziehen? Das erleichtert dem Studentenwerk Münster, das neben Studenten auch Flüchtlinge versorgt, die Arbeit. 

Für die drei Studentinnen war die Aktion auch eine Projektarbeit, für die sie am Ende so genannten Leistungspunkte bekamen. „Aber es war viel mehr als das“, sagt Fidan Kalach. „Es war eine Arbeit, die am Ende auch etwas bewirken kann.“